Pankow | Die Berliner Kultband
Schon der Name war ein Hieb: PANKOW: Vordergründig nannte man sich schlicht nach dem Berliner
Stadtbezirk. Aber immerhin war "Pankow" in den 50ern Schmähbegriff für das DDR-Regime, und zu
allem Überfluß lautmalte der "Punk" auch noch mit. 10 Pankow-Jahre, in denen Herzberg,
Ehle & Co. dem DDRock das von oben so geschätzte "Liedhafte" austrieb und ihm mit swingendem
Rock'n'Roll ungeschminkten Alltag injizierte. Die rauhen Texte des Herzberg-Bruders "Frauke
Klauke" befreiten die Szene von bedeutungstiefen Metaphern, mit denen im besten Fall Zensoren
ausgetrickst wurden, die üblicherweise aber fürs poetische Schaumschlagen herhalten mußten.
Die Musiker PANKOWs gehör(t)en zu den Besten ihres Fachs. Den wahnwitzigsten Coup des DDRock
leistete sich PANKOW, als es die Bigband der inzwischen auf Gorbi vereidigten "Westgruppe der
Sowjetischen Streitkräfte" mit auf Tournee nahm, um mit ihr jene Songs zu intonieren, die
Jahre zuvor SED-Funktionäre wutschnaubend torpediert hätten. So ändern sich Zeiten und Symbole.
Im mer eckte PANKOW an, den meisten Liedern wurden öffentliche Debatten verordnet, in deren
miefig-gönnerhaften Atmosphäre die ausflippenden Fans wieder ideologisch stabilisiert werden
sollten. (Olaf Leitner)

